Wie funktioniert Tarot?

Für den Naturwissenschaftler ist diese Frage ganz leicht beantwortet: Es ist nicht bewiesen, dass Tarot überhaupt funktioniert; das ist alles Zufall; also brauch ich auch nicht nach Gründen zu suchen, warum...
In diesem streng naturwissenschaftlichen Sinne ist alles Folgende also Spekulation oder Glauben - mein Glauben. Ich empfinde die Erklärung als plausibel - daher stelle ich sie hier vor.

Kartenlegen für sich selbst:

Das Unterbewusstsein weiß viel mehr als das Bewusstsein. Es empfängt Signale aus der Umgebung, zu fein um bewusst zu werden - aber dennoch von großer und tiefer Bedeutung. Es erkennt Verbindungen, die dem Bewussten nicht zugänglich sind - oder die man vielleicht gar nicht wahrhaben will.
Außerdem glaube ich an eine Art kollektives Unterbewusstsein - eine Verbindung zwischen allen Unterbewusstseinen, Möglicherweise sind in diesem kollektiven Unterbewusstsein nicht nur alle Menschen verbunden, sondern alle Lebewesen. In der Gesamtsicht ist dies dann so etwas wie der ’universelle Geist’ oder ’die Weisheit des Universums’

Wenn ich nun für mich selbst lege, sorgt mein Unterbewusstsein dafür, dass sowohl das selbst-erspürte als auch das vom universellen Geist ’abgezapfte’ Wissen in den gezogenen Karten auftaucht. Auf diese Weise verschafft sich das Unterbewusste sozusagen Gehör. Die Darstellung in einer bildhaften, analogen Sprache entspricht dem Wesen des Unterbewussten und liefert zugleich dem Bewusstsein - insbesondere dem ’Verstand’ - etwas Greifbares, das ers bearbeiten kann.

Selbst, wer nicht auf Vorstellungen wie den ’universellen Geist’ zurückgreifen will, kann verstehen, wie Tarot funktioniert: Eine gezogene Karte zeigt uns viele Einzelsymbole, Farben, Situationen. Die eigenen Erfahrungen - insbesondere die im Unterbewusstsein verankerten - sorgen dafür, dass wir spontan einen Eindruck gewinnen, was die Karte uns sagen will. Die Stimmung, die wir auf der Karte spüren, entstammt also nur zum Teil der künstlerischen Gestaltung. Den wesentlicheren Teil steuern wir selbst bei. Was wir in der Karte sehen, sind also unsere eigenen Erfahrungen - der Spiegel unseres Unterbewusstens. Wenn wir uns mit einer Karte beschäftigen, uns mit ihrer Aussage auseinandersetzen, setzen wir uns in Wirklichkeit mit uns selbst auseinander. Auf diese Weise sind die Tarotkarten ein sehr hilfreiches Werkzeug zur Selbst-Erfahrung!

Die Gestaltung der Karten - die ’Bilder’ - hat aber auch eine eigene Bedeutung; sozusagen die ’pure’ Aussage der Karte, ungefärbt von unseren subjektiven Eindrücken. Diese Aussagen der Karten wurden über Generationen studiert und verfeinert (die ersten Tarot - Decks stammen aus dem 14.Jahrhundert). Hier ist also das Wissen unzähliger Menschen mit eingeflossen - und damit auch ihre Erfahrung, wie eine Situation erlebt wird, worauf geachtet werden sollte und wo die positiven Perspektiven einer Karte sind. Diese ’allgemeinen Bedeutungen’ finden sich in unterschiedlicher Qualität und Ausführlichkeit in einer Vielzahl von Tarotbüchern. Da das subjektive Empfinden immer noch hinzu kommt, beschreiben sie nur einen Teil der Kartenaussage in der konkreten Situation des Fragenden/Legers.
Eine Zwischenposition nimmt der Kartendeuter/Tarotberater ein. Er hat (sollte zumindest) sowohl das Wissen um die Grundaussagen der Karten als auch aus eigener Praxis Erfahrungen, welche Aussagen die Karten typischerweise machen. Im Zusammenspiel mit dem Fragenden kann er so helfen, die Bedeutung der Karten für den Fragenden - denn um nichts anderes geht es - zu erarbeiten.

Wenn ich noch einmal auf das ’kollektive Unterbewusste’ zurückkommen darf.: In diesem Fall besteht eine besondere unterbewusste Verbindung zwischen Fragendem und Deuter. Hier erkennt der Deuter also ganz unmittelbar, welche Bedeutungsaspekte einer Karte für den Fragenden die zutreffenden sind.

Die Gretchenfrage: funktioniert Kartenlegen für ’Andere’?

Schwierig gestalten sich Legungen, die sich auf andere Personen beziehen. Hier handelt es sich ja auch nicht mehr um Selbst-Erfahrung - die Stärke des Tarot -, sondern um Fremd-Analyse.
Natürlich hat das Unterbewusstsein des Fragenden schon eine Menge Eindrücke über den anderen gesammelt. Diese fließen auf alle Fälle in die Legung ein, genau wie Wünsche, Hoffnungen und Ängste, die ja ebenfalls im Unterbewusstsein angesiedelt sind. Wieder im Modell des ’kollektiven Unterbewussten’: Wenn der Ansatz der Legung ein positiver ist, kommen auch Informationen aus dem Unterbewusstsein des anderen zu Tage. Sie fließen dem Legenden über das kollektive Unterbewusstsein zu. Positive Ansätze sind z. B. ’Wie kann ich die Kommunikation zwischen mir und X verbessern?’ oder ’Wie kann ich X helfen?’ Negative Ansätze wären Fragen wie ’Wo liegen seine Schwachpunkte?’ oder ’Wie kann ich ihn in die Pfanne hauen?’

Letzteres wird allerdings nicht klappen: Der Versuch, einen anderen Menschen über die Karten auszuhorchen bzw. Informationen zu gewinnen, die gegen ihn verwendet werden könnten, ist zum Scheitern verurteilt. Hier wird sich das Unterbewusstsein des Anderen klar sperren und nichts an den Fragenden liefern. Auch das kollektive Unterbewusste wird sich an solchen Aktionen nicht beteiligen. In meiner Sicht ist das kollektive Unterbewusste, der universelle Geist, ethisch sehr hochstehend.
Ganz wichtig: Die Motivation des Fragenden stammt aus seinem Unterbewussten. Es nützt also nichts, irgend etwas Positives vorzuschieben – das Universum lässt sich nicht täuschen.

In jedem Fall ist bei Legungen zu ’Anderen’ zu beachten, dass nie genau zu klären ist, ob die Karten hier allein Vorstellungen, Wünsche oder Ängste des Fragenden zeigen, oder ob sie wirklich Informationen über den Anderen zeigen. Deshalb sind diese Legungen, so beliebt sie auch sind, immer mit großen Unsicherheiten behaftet.

Widar

PS: ich bin 'studierter’ Naturwissenschaftler, Fachrichtung Kosmophysik - und habe trotzdem oder gerade deshalb die Erfahrung gemacht, dass die Karten funktionieren!

© Widar, 2004. Alle Rechte vorbehalten.